Freiwillige Feuerwehr Benningen am Neckar Feuerwehr Benningen am Neckar


Feuerwehr Benningen am Neckar Feuerwehr Benningen am Neckar
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Vom Wassereimer zum hochtechnisierten Löschgruppenfahrzeug

 Die alte Spritze beim Jubiläumsfest 1975
Die alte Spritze beim Jubiläumsfest 1975

bis 1879

Die Freiwillige Feuerwehr Benningen kann im Jahr 2009 auf ihr 83-jähriges Bestehen zurückblicken. Das bedeutet jedoch nicht, dass vor 1925 in der Gemeinde kein Feuerschutz vorhanden gewesen wäre. Ältere Aufzeichnungen berichten, dass bereits vor dem Jahr 1800 Feuerlöschgeräte sowie Feuereimer angeschafft worden sind.

Damals war es allerdings Aufgabe und Pflicht eines jeden Bürgers und jeder Bürgerin, bei Brandausbrüchen aktiv tätig zu sein. So schreibt ein Chronist Anfang des 19. Jahrhunderts „Blose Zuschauer bei einem Brand, sie mögen seyn, wer sie wollen, werden nicht geduldet, sondern zur Arbeit angehalten“. Im Jahre 1808 wurde dann bereits eine sog. Lokalfeuerlöschordnung erlassen und öffentlich bekannt gemacht.

Da damals wegen des Fehlens einer Wasserleitung doppelte Eimerketten gebildet werden mussten, die im Brandfall das Wasser aus dem Neckar und aus Brunnen zum Brandherd weiterreichten, war eine große Anzahl von Helfern erforderlich. Man transportierte das Wasser außerdem mit Bütten zu den damals schon teilweise vorhandenen primitiven Spritzen. Im Vergleich zu den heutigen modernen Brandbekämpfungsmethoden war die Brandbekämpfung von damals ein mühseliges Geschäft.

Allen Pferdebesitzern wurde zur Pflicht gemacht, bei einem ausbrechenden Brand mit angeschirrtem Pferd vor dem Rathaus zu erscheinen, auch um außerorts Hilfe zu leisten.
Manchmal mussten die Benninger Helfer überaus weite Wege zurücklegen, so wurde die hiesige Löschmannschaft um das Jahr 1863 zu einem Brand nach Bietigheim gerufen. Auch nach Marbach musste die Wehr des Öfteren abrücken. 1891 leistete sie beim Brand in der Schellenberger´schen Fabrik Hilfe. Auch beim Brand in der Häldenmühle 1889 half die Benninger Wehr aus.

1879 bis 1925

Im Jahre 1879 wurde durch Beschluss des Gemeinderats die bisher sehr lose Organisation der Wehr militärisch gegliedert. Die fünf Züge der Wehr erhielten eine eigene Verwaltung. Ebenfalls im Jahre 1879 beschaffte die Gemeinde mit einem Betrag der Brandversicherungsanstalt eine neue Spritze. Neu war vor allem, dass von nun an nicht mehr alle Bürger zur Brandbekämpfung verpflichtet waren, sondern nur die Mitglieder der Wehr.
1887 trat die Landesfeuerlöschordnung in Kraft. Sie verpflichtete alle Männer zwischen dem 18. und 50. Lebensjahr zum Dienst in der Feuerwehr. Man bezeichnete deshalb die damalige Wehr auch als sog. Pflichtfeuerwehr, im Gegensatz zur heutigen auf rein freiwilliger Basis aufgestellten Wehr.

Im Jahr 1902 konnte die Gemeinde die Wasserleitung in Betrieb nehmen, wodurch sich die Brandbekämpfung sprunghaft verbesserte.

1925 bis 1933

Einen großen Einschnitt brachte das Jahr 1925. Am 24.2. wurde die Pflichtfeuerwehr in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt. Die neue Wehr gab sich am 14.3.1925 eine eigene Satzung und kann deshalb auf ein 83-jähriges Bestehen zurückblicken. Erster Feuerwehrkommandant wurde Albert Käß.

Regelmäßige Übungen sorgten für ständige Einsatzbereitschaft. Das unentschuldigte Fehlen bei Übungen wurde mit erheblichen Geldbußen belegt.

1933 bis 1945

Mit Beginn des Nationalsozialismus wurde die Führungsspitze der Feuerwehr gleichgeschaltet. Die Feuerwehr wurde in dieser Zeit der Polizei unterstellt ("Feuerschutzpolizei") und den Ländern jegliche Entscheidungskompetenz entzogen, allein die Kosten mussten die Städte und Gemeinden weiterhin tragen. In den Dienst wurden auch Marschübungen aufgenommen, jedoch sicher nicht zur Freude der Feuerwerhmänner.

1945 bis 1975

Schwer war der Aufbau nach dem 2. Weltkrieg. Am 20.5.1946 wurde mit den im Ort befindlichen Männern eine Neueinteilung der Wehr vorgenommen. Ein neuer Anfang war gemacht.

Übung mit der alten TS 8
Übung mit der alten TS 8

Ende 1958 wurde ein neues Löschfahrzeug vom Typ LF 8 beschafft, um die Feuerwehr vom Fahrzeugbestand her besser auszurüsten. Für die eigentliche Brandbekämpfung stand zuvor außer einem umgebauten Dodge kein Löschfahrzeug zur Verfügung. Das Feuer wurde in der Regel mit der Kleinmotorspritze TS 8 bekämpft.

LF8 bei der Übergabe an die FF Neudorf-Georgenberg im November 1980
LF8 bei der Übergabe an die FF Neudorf-Georgenberg im November 1980

Im Jahr 1963 konnte die Feuermelde- und Alarmanlage mit acht neuen Feuermeldern und einer Weckerline wesentlich verbessert werden. Es gab in dieser Zeit nur ganz wenige Gemeinden, die über eine derartige Einrichtung verfügten. Insgesamt betrug der Aufwand über 40.000 DM!

Am 26.5.1970 übernahm die Feuerwehr das neue Tanklöschfahrzeug TLF 16/ 24, wodurch das Feuerwehrmagazin im alten Rathaus erweitert werden musste.

Im Jahr 1975 konnte die Freiwillige Feuerwehr Benningen a. N. ihr 50-jähriges Jubiläum feiern.

Ihre Feuerwehr im Jubiläumsjahr 1975
Ihre Feuerwehr im Jubiläumsjahr 1975

1975 bis 2004

Auch wenn die Fülle der Einsätze den Rahmen dieser Darstellungen sprengen würde, so darf doch gerade das Hochwasser im Mai 1978 nicht unerwähnt bleiben. Durch starke Regenfälle stieg der Pegel des Neckars stetig. Am Dienstag, den 23.05.1978 wurde gegen 8.30 Uhr die Feuerwehr alarmiert. 35 Menschen mussten in den folgenden Tagen aus ihren Wohnungen evakuiert werden. Am Morgen des 24. Mai konnten drei Feuerwehrangehörige aus Marbach, die mit ihrem Boot beim Wohnhaus Pfisterer gekentert waren, in letzter Minute gerettet werden. Durch Schlamm, Öl und Flusswasser war die gesamte Trinkwasserversorgung zusammengebrochen. Vom DRK wurde am neuen Rathaus eine Trinkwasseraufbereitungsanlage aufgestellt, das Wasser wurde mit dem TLF der Feuerwehr vom Hochbehälter dorthin transportiert. Der Einsatz der Feuerwehr dauerte - rund um die Uhr - bis zum 29.05.1978.

Jahrhunderthochwasser in Benningen, Mai 1978
Jahrhunderthochwasser in Benningen, Mai 1978
Jahrhunderthochwasser, Mai 1978 - am alten Rathaus/ Kelter
Jahrhunderthochwasser, Mai 1978 - am alten Rathaus/ Kelter

Am 25.04.1981 wurde der Wehr ein Löschgruppenfahrzeug LF 16-TS übergeben.

Im April des Jahres 1983 bestand es seine Bewährungsprobe bei einem Großbrand in der Bettenfabrik Winkle. Ein Jahr später brach dort wieder ein Großbrand aus, worauf massiv Löschwasser eingesetzt werden musste, so dass die Trinkwasserversorgung in Benningen unterbrochen war!

Großbrand beim Unternehmen Winkle am 02.04.1983, kein Vergleich zur heutigen Schutzkleidung!
Großbrand beim Unternehmen Winkle am 02.04.1983, kein Vergleich zur heutigen Schutzkleidung!

Das lang ersehnte neue Feuerwehrhaus wurde 1987 endlich Wirklichkeit, nachdem in den zum Magazin umgebauten Räumen des alten Rathauses und der Kelter die Platzverhältnisse katastrophal waren. Teilweise konnte man sogar die Fahrzeugtüren nicht ganz öffnen, da man sonst an der Wand anstieß.

Pressebericht zur Einweihung des Feuerwehrhauses, mit freundlicher Genehmigung der Ludwigsburger Kreiszeitung
Pressebericht zur Einweihung des Feuerwehrhauses, mit freundlicher Genehmigung der Ludwigsburger Kreiszeitung

Im Jahr 1989 wurde ein gebrauchter Daimler-Benz 601 DKB beschafft, welcher unter der Federführung von L. Schöttle in Eigenleistung zum Feuerwehrfahrzeug umlackiert und umgebaut wurde.

Ab dem Jahr 1992 konnte die Feuerwehr über ein Mehrzweckboot aus Aluminium verfügen, nachdem das 1981 beschaffte Schlauchboot aufgrund von Luftverlust mehr und mehr geflickt werden musste.

Einer der größten in Benningen zu verzeichnenden Brandeinsätze, war der Großbrand des Betten- und Matratzenherstellers Breckle im Industriegebiet Krautlose. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte am 21.03.1996 um 21.54 Uhr über die Feuerwehrleitstelle. Der Brand hielt alle Frauen und Männer rund um die Uhr, teilweise mit nur ein paar wenigen Stunden Schlaf, bis zum 27.03.1996, 12.30 Uhr in Atem.

Pressebericht über Fa. Breckle mit freundlicher Genehmigung der Ludwigsburger Kreiszeitung
Pressebericht über Fa. Breckle mit freundlicher Genehmigung der Ludwigsburger Kreiszeitung

Die Wasserförderung zur Einsatzstelle wurde vom Neckar her aufgebaut, der ca. 100m entfernt lag. Insgesamt wurden ca. 26.000 l/ min von 16 Pumpen an 16 B-Rohre, 10 C-Rohre und 3 Wenderohre auf 3 Drehleitern und einen Wasserwerfer gefördert.

Das neue Löschgruppenfahrzeug LF 16/ 12 ersetzte das im Folgejahr nun 27 Jahre alt gewordene Tanklöschfahrzeug TLF 16/ 24, welches beim Breckle-Brand noch gute Dienste leistete. Die Übergabe erfolgte am 12.07.1997 in feierlichem Rahmen während der Tage der offenen Tür.

Im Zeitraum vom 04.12.99 – 02.05.01 wurde die Feuerwehr Benningen von einem oder mehreren Brandstiftern in Atem gehalten. Es wurden neun vorsätzliche Brandstiftungen mit einem Gesamtschaden von etwa 500.000 € begangen. Bei den Brandobjekten handelte es sich vornehmlich um Scheunen, leer stehende Wohngebäude und in einem Fall um ein Vereinsheim. In einem weiteren Fall brannte es bereits wieder an anderer Stelle, während die Feuerwehr noch im Einsatz war.

2004 bis 2010

Am 1.12.2004 wurde die Jugendfeuerwehr, eine Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr, gegründet. Der Regelbetrieb begann am 1.1.2005. Dadurch entstand ein weiteres sinnvolles Freizeitangebot für Benninger Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig erfüllt die Jugendfeuerwehr eine wichtige Aufgabe in der Nachwuchsgewinnung für das Ehrenamt.

Aufnahme vom ersten \
Aufnahme vom ersten "BF-Tag" im Sommer 2005

Im Mai 2006 nahm die Feuerwehr ein neues, leistungsfähigeres Mehrzweckboot in Empfang, mit dem nun auch größere Schadensfälle auf dem Neckar bewältigt werden können. Vor allem ist der neue Motor starken Strömungen, wie sie z. B. bei Hochwasser auftreten, besser gewachsen.

Am 17.06.2007 konnte in kleinem feierlichen Rahmen ein neues Mannschaftstransportfahrzeug (MTW) in Empfang genommen werden. Das ältere MTW wird nun überwiegend durch die Jugendfeuerwehr genutzt.

Der neue MTW
Das neue Mannschaftstransportfahrzeug

Die Verkürzung der Wehrpflicht und Reduzierung der tatsächlich zum Wehrdienst Eingezogenen führt zu einem Beitrittsrückgang. Einen wesentlichen Anteil dieses Rückgangs lassen sich auch den Begleiterscheinungen der modernen Leistungs- und Anspruchsgesellschaft zurechnen: Soziale Kälte und Egozentrik führen zu einer nachlassenden Attraktivität in der Bevölkerung, freiwillig und ohne Bezahlung einen Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten. Zudem trägt die verschlechterte Arbeitsmarktsituation ebenso dazu bei.

Der Ausbildung der Feuerwehrmänner in Kursen und Lehrgängen wurde in den vergangenen Jahren ein ganz besonderes Augenmerk geschenkt, ganz besonders deshalb, weil die Verbesserung der technischen Ausrüstung in zunehmenden Maße Spezialausbildungen notwendig macht.
Heute verfügen die 44 aktiven Feuerwehrmänner und -frauen unter der Leitung von Kommandant Alexander Essig über eine Ausstattung, die der inzwischen größer gewordenen Gemeinde durchaus gerecht wird. Für die nahe Zukunft steht allerdings die Neubeschaffung eines Löschfahrzeugs an, da das alte LF 16-TS mit 28 Jahren schon deutliche Altersschwächen zeigt.

2010 bis heute

Am 14 Juni 2010 konnte sich die Jugendfeuerwehr ganz besonders freuen. Sie bekamen ihr eigenes Fahrzeug. Einen TSA konnten sie von diesem Tage an ihr eigenes Einsatzfahrzeugnennen. Dieser wurde von den Kameraden Bulla und Knoll so umgebaut, dass er einem Feuerwehrfahrzeug in nichts nachstand.

Die TSA der Jufe
Die TSA der Jufe

Am 13. Dezember 2011 konnte nach über einjähriger Planungs. – und Bauzeit das neue Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF 20/16 in Leonding bei der Firma Rosenbauer abgeholt werden. Eine Delegation von vier Mann fuhr mit dem MTW für drei Tage nach Österreich wo eine Einweisung seitens der Firma Rosenbauer stattfand, sowie eine Abnahme des Fahrzeuges durch die Feuerwehr. Das HLF ging am 15 Dezember nach seiner Ankunft in Benningen sofort in den Einsatzdienst, da das LF 16 TS bereits außer Dienst gestellt war.

Das HLF 20/16
Das HLF 20/16

Im Februar 2012 wurde die Feuerwehr mit der Tatsache konfrontiert, dass das Mercedes Mannschaftstransportfahrzeug 19/2 nur noch mit einem erheblichem Aufwand an Reparaturen durch den TÜV schafft. Mann entschloss sich, nach Rücksprache mit der Gemeinde, sich nach einem guten gebrauchten umzusehen und diesen selbst auszubauen.

Dies geschah im Juni desselben Jahres unter der Leitung von Michael Knoll und Claus-Dieter Bulla denen einige Kameraden tatkräftig zur Seite standen.

Die Gemeinde Benningen hat zum heutigen Stand eine Feuerwehr, deren Ausrüstung und Ausbildung der noch immer weiter wachsenden Gemeinde gerecht wird.

Leiter der Feuerwehr seit 1945


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